Farben des ländlichen Bergtales

 

Ein geführter Rundgang durch ein ganz besonderes Hotel

Als ich zum ersten Mal das Hotel Zum Hirschen betrat – es war ein geführter Rundgang im Rahmen eines Kulturfestivals – war mir sofort klar, dass dies ein besonderer Ort sein muss. Irgendwas lag da in der Luft. Ich versuchte herauszufinden, was es sein könnte. Die reduzierten Farben, auch das stilisierte Logo eines Hirschgeweihs im kleinen Foyer trugen sicher dazu bei. Alles schien neu zu sein. Und zugleich alt. Die Treppen aus rotem Stein, Porphyr wahrscheinlich, der Korridor wie in einer Mönchsklause. Auch die Zimmer waren alle neu eingerichtet. Uns wurden verschiedene Zimmer gezeigt, keins wie das andere. Ich erinnere mich an modern Bäder mit großen Duschen, weite Fenster.

Nachdem ich aber nicht draufgekommen war, was dieses besondere Etwas bewirkte, fragte ich den Hausherrn, der die Führung machte und geduldig Fragen beantwortete, ob er die spezielle Atmosphäre im Haus erklären könne. “Es sind die Farben.” antwortete er ohne zu zögern. Dann drehte er seinen Kopf nach links und nach rechts, so als wolle er sich vergewissern, ob man das so im Raum stehen lassen konnte. Im Anschluss erklärte er uns allen das Farbkonzepot des Hotels, das er Moodboard nannte.

Im ganzen Haus herrschte bewusst eine gewisse Farblosigkeit. Alles war in Schwarz, Weiß und Grautönen gehalten. Im ersten Stock, dem Mittelpunkt der ehemaligen Pilgerherberge, kam ein ganz spezieller Braunton dazu, der wie eine Mönchskutte wirkte. Das alles sollte also Ruhe, aber auch die historische Bedeutung des Hauses unterstreichen. Es sollte wohl das Alte ins Neue bringen. Dazwischen aber fanden sich immer wieder Farbtupfer, etwa Polster in sanftem gelb oder weinrot, oder auch blaue, dunkelrote und gelbe Stühle, die vereinzelt zwischen den weißen Stühlen auf der Veranda hervorstachen. “Es sind die Farben des Nonsberg”, erklärte uns der Hausherr. Löwenzahn-gelb, Radicchio-rot, Petrolium-Blau des Wassers im Nonsberger Canyon.