Drei Fragen an Kräuterpfarrer Benedikt

 

Der Löwenzahn und das, was wir in ihm sehen

 

Im Rahmen der Löwenzahnwochen am Deutschnonsberg durften wir Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger, Prämonstratenser aus dem Stift Geras in Österreich, bei uns am Nonsberg begrüßen. In einem Vortrag und bei einer gemeinsamen Kräuterbetrachtung in den Wiesen rund um das Dorf ging es weniger um das Sammeln als um das Verstehen. Wir haben ihm drei Fragen gestellt.

Seit 1996 tragen die Löwenzahnwochen am Deutschnonsberg die Handschrift von Kräuterpfarrer Hermann Josef Weidinger. Mit Benedikt Felsinger bleibt dieses Verständnis lebendig.

Der Löwenzahn begleitet die Löwenzahnwochen seit 30 Jahren. Für viele ist er noch immer ein „Unkraut“. Was ist er für dich?

Er ist eine Heilpflanze – auch wenn er lange nicht so gesehen wurde. Der Löwenzahn hat einen schlechten Ruf, weil er überall wächst und schwer zu kontrollieren ist. Aber genau darin liegt auch seine Stärke. Er ist robust, widerstandsfähig und voller Inhalt. Lange wurde er unterschätzt, heute gewinnt er wieder an Bedeutung – nicht zuletzt, weil wir beginnen, seinen Wert neu zu erkennen.

Während der Kräuterbetrachtung wurde viel über das Verständnis von Pflanzen gesprochen – weniger über Wirkstoffe. Was meinst ist damit gemeint?

Wir schauen heute oft zuerst auf Inhaltsstoffe und Anwendungen. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz. Eine Pflanze ist mehr als die Summe ihrer Wirkstoffe. Im Löwenzahn etwa steckt nicht nur das, was wir messen können, sondern auch das, was über Zeit entstanden ist – Licht, Boden, Umgebung. Wenn wir beginnen, Pflanzen so zu betrachten, verändert sich auch unser Zugang. Dann geht es nicht mehr nur um Wirkung, sondern um Beziehung. Und oft zeigt sich die Wirkung erst dort, wo diese Beziehung entsteht – ähnlich wie bei uns Menschen, die wir nicht auf das reduzieren, was sie „leisten“.

Und wie sollten wir mit Wildpflanzen wie dem Löwenzahn konkret umgehen?

Mit Maß und mit Aufmerksamkeit. Kein Kraut ist ein Wundermittel, und nicht alles ist für jeden gleich gut. Es kommt darauf an, wie und wo man es verwendet. Wichtig ist, auf die Qualität zu achten – nicht vom Straßenrand sammeln oder von belasteten Flächen.

Auch in der Küche gibt es viele Möglichkeiten. Junge Blätter können roh im Salat verwendet werden, gekocht verliert der Löwenzahn keineswegs seinen Wert. Im Gegenteil: Durch Wasser oder Fett lassen sich bestimmte Inhaltsstoffe sogar besser lösen. Wurzeln, Blätter und Blüten können ganz unterschiedlich eingesetzt werden – als Gemüse, in Tees, eingelegt oder als Bestandteil warmer Gerichte. Und man sollte dabei auch der eigenen Kreativität freien Lauf lassen.

Der Löwenzahn kann viel, gerade für Verdauung, Leber und Stoffwechsel – aber entscheidend ist der richtige Umgang.

Ein Verständnis, das wir im Zum Hirschen weiterdenken – in der Küche, im Haus und draußen, auf den Wiesen des Nonsbergs.