Mirko erzählt

 

Die Essenz des Reisens – Mirko über den Pilger 2.0 im Zum Hirschen

 

Oft werde ich gefragt: Was macht den Zum Hirschen eigentlich so besonders?

Die Antwort lässt sich nicht auf ein einzelnes Merkmal reduzieren. Es sind die Schichten der Geschichte, die man hier spürt – in den alten Mauern, in der Stille, in jedem Teller. Unser Haus steht an einer kulturellen und sprachlichen Grenze, dort, wo Südtirol und Trentino, Deutsch und Italienisch, Alpin und Mediterran aufeinandertreffen. Diese Spannung – diese Vielfalt – ist unsere Seele.

Früher war der Zum Hirschen eine Pilgerherberge für Sinnsuchende. Heute ist der Reisende eine Art Pilger 2.0. Der Sinnsucher von einst ist der Erfahrungsuchende von heute – jemand, der im Austausch mit dem Ort und den Menschen etwas Echtes, Verbindendes finden möchte. Kein Urlauber auf der Suche nach flüchtigem Genuss, sondern ein Reisender, der tief erleben will.

Daran haben wir unser Konzept ausgerichtet. In der Architektur: klare Linien, reduzierte Formen, einfache Materialien. Inspiriert vom Geist der Pilgerzeit und dem Bauhaus-Gedanken. Kein Alpinkitsch, sondern Stille, Raum, Licht. Jede Zimmertypologie richtet sich an eine andere Epoche des Hauses – vom Mittelalter bis zur Moderne.

In der Küche: Slowsophie – die Philosophie der Langsamkeit. Sie bildet eine Brücke zwischen Kraftort und Gastronomie. Unser kulinarisches Konzept basiert auf den Prinzipien von Slow Food und ist inspiriert von den Lehren Hildegards von Bingen und Kräuterpfarrer Weidingers. Diese Zugänge verbinden Teller und Kraft-Ort, Körper und Geist, Natur und Kultur. Wir kochen nicht nur regional und saisonal, sondern sinnlich. Kräuter, Elixiere, Bitterstoffe – all das bringt etwas in Bewegung. Unsere Küche soll nähren, nicht nur sättigen. Jeder Teller wird zum Botschafter des Gebiets.

Und natürlich ist da die Gastlichkeit.
Nicht inszeniert, nicht distanziert – sondern echt. Es geht uns nicht um klassisches Bedienen, sondern um ein ehrliches Willkommen. So wie früher Pilger anklopften und aufgenommen wurden, begleiten wir heute unsere Gäste: achtsam, offen, mit Respekt und Wärme. Gastgeben heißt für uns, einen Raum zu schaffen, in dem Begegnung möglich wird – mit sich selbst und mit anderen.

Auch Rituale spielen eine Rolle. So wird etwa der Aperitivo – mit einem Hildegard-von-Bingen-Spritz – zu einem kleinen Achtsamkeitsmoment, einem stillen Impuls, der hilft, wirklich anzukommen. Nicht nur äußerlich, sondern innerlich.

Denn Reisen bedeutet für uns nicht einfach „weg sein“. Es bedeutet, wieder ganz da zu sein. Mit allen Sinnen. Im Moment. Im Leben.

Mirko Mocatti - Gastgeber im Zum Hirschen

 


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